Revolvergeschichten

…Als erstes interessierte ich mich für die Gänge oder Wege, manche sahen wie Straßen aus. „Das sind weder Gänge noch Straßen, Georg. Es sind auch keine Wege im eigentlichen Sinne. Denn alle diese Linien, wie wir hier sagen, haben tatsächlich ein einziges Ziel. Es sind deshalb so viele, weil jeder Mensch seinen eigenen Linienweg hat.“ „Willst du damit behaupten, daß jede dieser Linien, wie du diese Straßen nennst, jeweils zu einem Menschen gehört?“ „Ja, so könnte man es ausdrücken. Du kannst das auch nur sehen, weil du mit den Augen lernst. Wir, die wir schon einige Zeit hier sind, sehen diese Wege gar nicht mehr.“ „Ich würde gerne einen Weg gehen,“ sagte ich. „Geh ruhig,“ sagte Helga. „Du wirst sehen, daß es dein eigener Weg ist.“
Fritz Spitzer: “Revolvergeschichten” Kap.1, S.7; Kassel, 1993. unveröffentlicht.

In diesem Zitat von Fritz Spitzer, spiegelt sich die Grundidee der Re-ligio: Es gibt so viele Wege, wie es Menschen gibt und somit so viele Wahrheiten, wie es Menschen gibt. Also so viele “Rückverbindungen zum Ursprung”, wie es Menschen gibt. Gleichsam entspricht es den Songlines der indigenen Australier.

Ein `phantastischer ́ Roman (ca. 90 Seiten) zu einem ernsten und aktuellen Thema (Rechtsradikalismus). Der Ich-Erzähler trifft seinen Vater im `Hades ́, der bei der Waffen-SS war, und 1944 in Smolensk den „Heldentod auf dem Felde der Ehre“ starb. Der Kurzroman ist in fünf Kapitel eingeteilt, wobei jedes Kapitel einen Tag des Ich-Erzählers im `Hades ́ beschreibt: Am ersten Tag besucht er mit Erato (eine der neun Musen Hesiods = Liebeslied, Liebeerweckende usw.) – die seine Betreuerin im `Hades ́ ist – die Cheopspyramide. Am zweiten Tag beamt er sich mit ihr nach Paris, und sie erleben dort eine Liebesgeschichte. Der dritte Tag spielt in Syrakus, und der Ich-Erzähler erlebt mit Erato die dort stattfindenden Dionysien (zur Aufführung kommen: Antigone und die Frösche). Erst nach diesen drei Tagen ist der Held bereit seinen Vater auf neutralem Gebiet in München zu treffen. Sie erzählen sich in einem Ruderboot auf dem Kleinhesseloher See ihre Erfahrungen mit einem Revolver (daher der Titel des Romans). Der fünfte Tag spielt mit dem Vater und dessen Freundin Judith eine Nacht und einen Tag in Budapest. In Summa: Ein Roman über Väter und einen im Kohlenkeller liegengelassenen Revolver – oder: Wie man Irrtümer beim Schopf packt… Fritz Spitzer Kassel, den 20.10.1993

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