Der “gesunde Menschenverstand”

In der aktuellen Diskussion um den gläsernen Bürger und Datenschutz, den Möglichkeiten von google Hacking, Personensuchmaschinen, Web 2.0, etc.und den vielen Möglichkeiten und der berechtigten Angst vor 1984 (wir sind ja schon darüber hinaus) werden wir jetzt nichts verhindern an den technischen Möglichkeiten oder zaghaft sein, in Deckung gehen für die Vorsicht die wir versuchen walten zu lassen, keine Datenspuren zu hinterlassen. Nein, wir wollen jetzt früh genug daran arbeiten, daß wir unseren Mitmenschen Toleranz vorleben, mit Hilfe unserer Position eintreten für eine objektive Betrachtung und mit Aufmerksamkeit gegenüber jeglichem Manipulator, der versucht uns in eine Richtung gegen etwas zu stimmen. Obacht gegenüber jeder Äußerung von uns im Hinblick darauf, ob wir uns instrumentalisieren lassen, gegen andere Menschen auszusagen, aufmerksam sein gegen die subtilen Techniken, die Steine aus unseren Mündern poltern lassen möchten, gegen jemanden, sei es eine Anschauung, eine Religion, eine Nation – was auch immer – hinter diesen Begriffen stehen Menschen, die eine Haltung haben. Haltung zu haben, ist berechtigt.
Der vielbeschworene „gesunde Menschenverstand“, auf den S/sie sich (oder uns?) berufen, wenn S/sie nicht klar sagen können, was für S/sie richtig und was falsch sei.

Ob der Mensch tatsächlich einen Verstand hat? „Gesund“, das heißt wohl auch „gut“? Gut verstehen sich Menschen selten. Mit wievielen Menschen verstehen Sie sich gut in ihrem Umfeld? Wie viele verstehen Sie von denen auf der Welt? Verstanden haben wir auch das Unendliche, daß es zu verstehen gibt, noch nicht. Wieviele Sprachen sprechen Sie denn ?
Angenommen Sie haben einen Verstand…wer beurteilt ob dieser gesund sei ? Dieser „gM“ ist lediglich eine diffuse angenommene Übereinkunft vieler Faktoren die nicht definiert sein können. Einige von diesen Faktoren sind die Zeit in der wir leben, die Region, die Erziehung, das Umfeld, der aktuelle circulare Stand der Persönlichkeitsentwicklung, die Modethemen der Massenmedien, die gesteuerten Informationen aus Politik und Wirtschaft, etc.

Es nimmt ein Jeder für sich den sog. „gesunden Menschenverstand“ in Anspruch. Im Namen dessen verurteilen sie zum Beispiel Ehrenmorde, während ihr Gegenüber grad aus dem gleichen für sich „gesunden Menschenverstand“ seine Tochter töten muß. Oder es hält sich jemand einen Hund als Schmusetier, dabei sei er doch Nahrungsmittel. Nach Tschernobyl und Hiroshima (undundund) wieder für Atomenergie einzutreten, finden manche „gesunden Menschenverstand“. Andere halten es wiederum für „gesunden Menschenverstand“, sich ausgerechnet über ein paar Tausend Leute aufzuregen, die mit flugzeuggestürzten Häusern sterben statt in Klima- oder Hungerkatastrophen oder unter Bomben, Napalm, etc zu Millionen zu sterben. Oder daß die Ausbeutung der Schwellenländer verhindert wird, daß die Piraten und Terroristen plötzlich Kriegsgegner geheissen werden, wenn sie ihr Land verteidigten? Und der „gesunde Menschenverstand“ geböte sogar die älteste der Wissenschaften zu verleugnen während sie für die anderen die einzige Wissenschaft ist. Sicher war es für die Menschen im Zweiten Weltkrieg ebenfalls der „gesunde Menschenverstand“, der sie dazu führte, Rassen vernichten zu wollen, ist ja im Tibet auch heute so, wenn der „gesunde Menschenverstand“ der Regierung sagt, daß es für eine Tibeterin besser sei, sterilisiert zu werden. Das sind alles Menschenverstände, denn es gibt eben nicht einen Menschenverstand, schon garnicht einen gesunden und einen kranken.
Aber es gibt eine zarte Pflanze namens Verständnis. Ihr Keim ist in allen Wesen. Sie zu pflegen führt zum Glück. Ich lass sie mir nicht monsantieren. Sie wächst über mich hinaus.

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