Wollen wir Helden?

In Fukushima arbeiten Menschen an der Ruine des Atomkraftwerks. Jetzt heißt es, diese seien Helden. Nein, das sind sie nicht. Sie tun etwas, dass nichts bringt, sterben also ohne Aussicht auf den Erfolg, dass die Strahlung des Atomkraftwerk durch diese Wasserspritzarbeiten nachhaltig verringert werden könnte. Diese Mitarbeiter sind genauso wenig Helden, wie es die Männer der SS im Dritten Reich waren. Denn damals wie diesmal stehen die Menschen unter psychischem Druck, ihr Leben zu opfern. In den Medien wird bereits darüber geschrieben, dass die Mitarbeiter gezwungen wurden an den Löscharbeiten teilzunehmen. Und damals wie diesmal wird ihnen suggeriert, dass ihr Opfer Anderen das Leben retten werde. Damals wie heute, ist genau das Gegenteil der Fall.

Die Tätigkeiten der Kernkraftwerker in Fukushima werden nicht ausreichen. In einem kommenden Schritt wird man das Atomkraftwerk versiegeln, wie es mit Tschernobyl geschehen ist. Weil jeder weiß, das es das Eingeständnis der Niederlage ist und zu keinem Ende führen wird, darum wird es hinausgezögert. Dafür verseuchen die Mitarbeiter jetzt, damit man die Niederlage nicht eingestehen muß, daß Atomkraftwerke nicht beherrschbar sind. Die Menschen, die diese Arbeiter als Helden bezeichnen, sind Verbrecher. Denn das Opfer erzeugt Hoffnung, dass Störfälle in Atomkraftwerken beherrschbar seien, durch Mut einiger “Helden”.

Doch dadurch, daß sie geopfert werden, wird die Fortführung des mörderischen Atomprogramms legitimiert. Es wird weiter gebaut, es wird mehr Kernkraftwerke geben, es wird wieder Unfälle geben, von mal zu mal würden sie schlimmer werden. Die radioaktive Verseuchung der Erde durch Plutonium geht, solange Menschen leben, nie zurück, sie kumuliert. Die Menschen, die geboren werden, gewöhnen sich daran, dass sie in ihrer Lebensqualität eingeschränkt sind, sie kennen es nicht anders. Das tun wir ihnen bereits an.

An diese Helden wird sich niemand erinnern. Kennst du noch einen der Helden von Tschernobyl mit Namen? Nein – denn das sind nur jene, welche die weiteren Atomkraftwerke möglich machten, so wie die “heldenhaften” Soldaten den Krieg und somit das Morden verlängern. Aber jeder erinnert sich der Namen der Helden, die versucht haben, die Weiterführung des Krieges durch Taten zu verhindern: Stauffenberg, Scholl, Ensslin. Straßen sind nach ihnen benannt. Gleichsam könne nur der ein Held sein, der durch ein Akt gegen ein Atomkraftwerk in einem Dreiländereck eine Situation herbeiführt, die zur Folge habe, daß alle Atomkraftwerke deaktiviert werden und weltweit eine Weiterführung der atomtechnologie beendet würde? Dessen Namen würde man sich erinnern. Wollen wir Helden?

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