Wichtige Lernerfahrungen

Wenn ein anderer Mensch gewillt war, mir etwas von seinen inneren Einstellungen zu erzählen, dann lag darin ein Wert für mich, und wenn es mir nur noch deutlicher wurde, daß meine Einstellungen andere sind. In meinen Beziehungen zu Menschen habe ich herausgefunden, daß es auf lange Sicht nicht hilft, so zu tun, als wäre ich jemand, der ich nicht bin. Mir scheint, ich erreiche mehr, wenn ich mir selbst zustimmend zuhören kann, wenn ich ganz ich selbst sein kann. Ich habe es als äußerst wertvoll empfunden, wenn ich es mir erlauben kann, einen anderen Menschen zu verstehen. Es bereichert, Kanäle zu öffnen, durch die andere ihre Gefühle, ihre privaten Wahrnehmungswelten mir mitteilen können. Ich habe es als höchst lohnend empfunden, einen anderen Menschen akzeptieren zu können. Je mehr ich gegenüber den Realitäten in mir und im anderen offen bin, desto weniger verfalle ich dem Wunsch, herbeizustürzen und ́die Dinge in Ordnung zu bringen. Ich kann meiner Erfahrung trauen…Wenn ich einem inneren, nicht-intellektuellen Gespür vertraut habe, so war, wie sich zeigte, dieser Schritt weise. Erfahrung ist für mich die höchste Autorität…Weder die Bibel, noch die Propheten, weder Freud noch die Forschung, weder die Offenbarungen Gottes noch des Menschen können Vorrang vor meiner direkten Erfahrung haben. Ich genieße es, Ordnung in der Erfahrung zu entdecken. Die Tatsachen sind freundlich. Es ist meine Erfahrung gewesen, daß Menschen eine im Grunde positive Entwicklungsrichtung haben. Das Leben ist im besten Fall ein fließender, sich wandelnder Prozeß, in dem nichts starr ist.

Rogers, Carl R. (1979): Die Entwicklung der Persönlichkeit. Stuttgart: Klett Cotta Verlag. im Original 1961: On becoming a person

Da ist noch etwas seltsam Befriedigendes, wenn man jemanden wirklich hört: Es ist, als vernehme man überirdische Musik, denn jenseits der unmittelbaren Botschaft, wie diese auch lauten möge, ist das Universelle. In all den persönlichen Mitteilungen, die ich wirklich aufnehme, scheinen sich regelrechte psychologische Gesetze zu verbergen, Aspekte derselben Ordnung, die wir im Universum als Ganzem finden. Deshalb ist da sowohl die Befriedigung, den einzelnen Menschen zu hören als auch die Genugtuung, sich in Kontakt mit der universellen Wahrheit zu fühlen.

Rogers, Carl R. (1981): Der neue Mensch. S.19. Stuttgart: Klett Cotta Verlag. im Original 1980: a way of being

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