Das Ausland

Der Kontakt zum Ausland brach eher unkontrolliert, unbewusst ab. Die Länder hatten mit sich zu tun und die Grenzen schlossen sich durch die Unruhen vor der Neuen Ordnung. Die Abschaltung der Fernsehstationen tat ihr übriges, um die Trennung zum Ausland zu festigen – Unmengen an Gerüchten machten die Runde im benachbarten Frankreich und es bestand das Interesse, keine Bürger in den neu geordneten Raum einzulassen. Hier hingegen gab es eines Tags eine Regel der täglichen 6, die sich mit dem Thema befasste: Es durfte fortan nur einreisen eine Person, welche aus einem kriegsfreien Land stammt. Staatsbürger aus Ländern, die in den letzten 50 Jahren einen Krieg begonnen hatten, durften pauschal nicht einreisen, seien sie auch noch so sehr am friedlichen Leben interessiert oder versuchten Pazifismus nachzuweisen durch Kriegsdienstverweigerungsbescheinigungen oder Urteile wegen Fahnenflucht und Desertation. Die Ursache dafür lag in den eigenen Erfahrungen der jüngsten Geschichte. Die Menschen in Deutschland hatten eine Politikerin befördert, die als Widerstandskämperin in einem Unrechtsstaat angepriesen wurde. In Zuversicht darauf, dass diese somit die Bürger in eine friedliche Zukunft führen würde, mißachteten viele die Tatsache, dass ein Mensch der in einem Unrechststaat sozialisiert ist, dieses Stigma so tief in sich trägt, dass es ihm unmöglich ist, sich von den Mustern des Unrechts zu befreien, weil das Gute nie im Kindesalter erfahren wurde. Und so verführte diese Kanzlerin das Land von einem Krieg in den nächsten und versündigte sich an der Menschheit derart, dass Deutsche in der Welt bald ebenso unbeliebt waren, wie Israelis und USAner. Und so kam es, dass weder Franzosen, noch Engländer und Nordamerikaner einen Zugang erhielten, jedoch Nordkoreaner und Vietnamesen und Iraner, deren asiatische Weisheit viel zu den Gesetzen der kommenden Tage beitrug. Auch Russland galt als in Bälde zu erwartender Partner im Austausch, denn der Krieg der Sowjetunion gegen Afghanistan lag bald lang zurück und die darauffolgenden, Russland zugeschriebenen Kriege, wurden bald entlarvt als vom Westen inszenierte Konflikte, nachdem die bislang tief in den Medien verankerte Propaganda gegen Russland ausblieb.

Für eine künftige Einwanderungspolitik nutze man eine Zweiprozentklausel: Die Menge an Menschen, welche einer bestimmten Kulturnation entstammten, wobei als Merkmal die gemeinsame Sprache gilt, durften den Anteil von 2% an der Gesamtbevölkerung nie überschreiten. Denn es ist folgerichtig, dass eine große Minderheit innerhalb einer Kulturgemeinschaft mit einem als provozierend auffaßbaren Selbstbewusstsein darauf drängt, ihre eigenen, für die Mehrheitsgesellschaft fremdartigen Lebensweisen einzufordern. Dies wiederum führt erfahrungsgemäß über Unmut zu offener Agression der Mehrheitsgesellschaft gegenüber der aufstrebenden Minderheit, spätestens zu Zeiten geringer Versorgung. Beispiele hierfür, neben vielen weiteren, war die Erfahrung der Deutschen Minderheit in Polen vor dem Krieg und die Erfahrung der Ashkenazis im Krieg: Eine aufstrebende große Minderheit führt zu struktureller Feindschaft, eine kleine Minderheit, oder deren vieler verschiedener, führen zu einer Bereicherung der Gesellschaft.

Werbeanzeigen