Radikalfundamentalistisches Reinkarnationsaxiom

Das Übel der strukturellen Feindschaft durch Konfessionszugeteiltheit, galt es zu tilgen. Und so ward Religion Thema des zweiten Tages, der zweiten Sechserregel.

  1. Einreiseverbot von Kriegssozialisanten
  2. Kulturquotenzuwanderung
  3. Zinsverbot
  4. Opferunterhaltsausgleich mit Sippenhaft
  5. Feminalpropertätsgebot
  6. Reinkarnationsdogma

Das Reinkarnationsdogma folgte dem natürlichen Pendelschlag: Nach der Zeit, in der das Juchrilam genutzt wurde, um die Macht der sozial Behinderten zu gewährleisten, dem weitesten Rechtsausschlag des Pendels, schwenkte es extrem in die Gegenrichtung, die Wissenschaft, sich selbst als Befreier begreifend, schüttete sie das Kind mit dem Bade aus und ebenso rhetorisch gebildete Demagogen der neuen Religion “Wissenschaft”, wie die der klassischen Religionsverteter, verführten die Menschen in einen gleichermaßen schlimmen Sumpf, der Geistlosigkeit. Während die rechten Juchrilamisten eher die Unterwerfung des Individuums zum Ziel hatten, sah die linke Wissenschaftsreligion eher vor, die Erde insgesamt zu zerstören, verneinte sie doch auch, dass die Erde mit ihnen gemeinsam eine Wesenheit ist.

Da in der Politik offenbar war, dass es weder ein Links noch ein Rechts mehr gab, sich die jungen Menschen darin nicht wiederfanden und auch objektiv vermehrt eher oben drüber, als links oder rechts gesonnen waren, so fand sich auch für die Religion eine Lösung: Juchrilam und Wissenschaft wurden aufgegeben. Sie beide hatten sich nicht als förderlich für die Gemeinschaft erwiesen, das Wissen um das ewige Sein durch Wiederverkörperung jedoch, wurde als hochgradig gemeinschaftsbildend erkannt:

Zum Einen wohnte der Reinkarnationsgewißheit ein umfassender Respekt vor jedem Wesen inne, gänzlich anders als zuvor, als beispielsweise Kinder nicht respektiert wurden, ob ihres geringeren derzeitigen Körperalters und der damit einhergehenden Fehldeutung einer geistigen Leere.

Zum Anderen wurde die Erhaltung des Lebens, ureigenes Interesse jedes Einzelnen: Wer wiederzukommen vermeinte, verwand seine Kraft darauf, seinen ewigen Garten, den Körper Erde, dem er nie entkommen wird, zu pflegen. Und so brauchte es keiner Umweltgesetze oder Kontrollen mehr, allein das radikalfundamentalistische Reinkarnationsaxiom war die ruhende Mitte des Pendels.

Während der Geschichtsrevision und der damit einhergehenden Einstampfung der Sagen des Juchrilam namens Bibel, Talmud und Koran wurden viele ursprüngliche Werte dieser urtümlich gut gemeinten Revolutionsartefakte, welche diese Religionsversuche darstellten, offenbar. So erkannte man, dass die Enthaltsamkeit des juchrilamistischen Priesters sich auf eine monogame Ehe bezog – nicht auf Sexualität. Dies liegt darin begründet, dass der Priester stets frei bleiben möge, alle Wesen seiner Gemeinde lieben und beglücken zu können, ohne unter der Einschränkung eines Besitzanspruches oder berechtigter Eifersucht leiden zu müssen. Und so wurden die Reinkarnationspriester Alliebende und Begattungsbarmherzige, denn zum Predigen der Wiedergeburt gehört naheliegend die Fortpflanzung.

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