Arbeitsbefreiungszeiten statt Illuware

Man kauft hier ein Mobiltelefon, das nur funktioniert, wenn man monatlich einen Geldbetrag an einen Konzern absaugen lässt (das fällt mir erst auf, weil ich in einem anderen Land grade dafür ausgelacht wurde, dass mein Handy nicht funktioniert, denn dort ist die Funktionalität (3G-Flatrate) im – übrigens wesentlich günstigeren – Gerätepreis für ein Jahr inbegriffen). Heute wird das Geld ausgegeben für Dinge, die nicht mehr gegenständlich sind. Das ist vielleicht folgerichtig, denn von den gegenständlichen Sachen ist ja naturgemäß eh nicht mehr viel vorhanden, bei mehr werdenden Menschen und weniger werdendem Platz durch die Saharisierung.

Selbst das Fernsehgerät ist kein eigenständig funktionierendes Gerät, es wird, damit man es benutzen darf, ein monatlicher Betrag abgesaugt. Die interessanteste Variante ist, wenn es nur noch Software ist, die man bekommt, also eine Illusion. Dafür fließt so viel Geld, dabei ist das Niemandes Ziel, die zu haben. Besitzen tut man sie auch nicht mehr, man darf sie ja nicht verschenken, man hat ein Nutzungsrecht, das hört sich neusprechschön an, bedeutet aber, dass man nichts besitzt. Alle, die Käufer dieser Illuware, die Entwickler, die Besitz- und Profitbeanspruchenden, alle träumen davon, nur auf einer Bacardi-Insel zu sitzen. Und 10% ihrer Lebenszeit tun sie das dann auch, im besten Fall. Die eigentlichen 90% ihrer Lebenszeit treten sie ab, verbringen in unsichtbaren Ketten und manchmal gar in sichtbaren Boxen. An wen treten sie ab? Nicht mehr an Firmeninhaber, die sind fast ausgerottet durch die Konzerne. Die hatten noch Verantwortungsgefühl und sie waren sichtbar und konnten verantwortlich gemacht werden.

Im Mittelalter musste man nur 10% an den König abgeben und hatte die 90% für sich, aber heute sind wir freier? Heute gibt es keinen König mehr, heute sind die Aussaugenden anonym hinter Namen und Bildern, die heissen Marken und Logo, darum findet sich keiner, der verantwortlich gemacht werden kann, das ist geschickt. Aber dahinter sitzen ja doch welche. Deren Namen kennen wir nur nicht mehr, sonst wären sie schon gestürzt. Statt dessen Phantasienamen, und das krankeste ist, wenn die Erdlinge noch ihr letztes Gut und Geld geben, um diese Phantasienamen ihrer Ausbeuter in Großbuchstaben an ihre Körper gebunden zu bekommen.

Oft werden übrigens Namen aus der Sprache der Besatzer verwendet. Dadurch hört sich vieles gradezu ersehnenswert an, was man in hiesiger Sprache als Betrug erkennen würde. Wenn man aber das kritisiert, dann bedrängen Dich die hasperafinanzierten Kinder mit der Nasokeule. Es gibt kein großes Medienhaus, dass nicht Ziel des symbolischen Kaufhausbrandes sein wolle. Persilscheine für die Studenten, die sich erbarmen unsere Zukunft zu bereinigen. Man kann sein Leben lang Antifaschist gewesen sein, ab jetzt sehen viele genau dieser guten Menschen die Notwendigkeit, dass was Jene Nazi nennen, werden zu müssen, zum Beispiel durch Spiegelzeitschrift-Artikel von Georg Diez über Xavier Naidoo. Weiß doch jeder, was für ein guter Mensch Herr Naidoo ist, der seinen Wohlstand gefährdet für das Wohl seiner Mitmenschen, doch von Herrn Diez weiss man nicht mal, ob er wenigstens seinem Nachbarn den Müll rausgetragen hat.

Eine Funktionsabgabe für den Kommunikator, das ist wirklich dumm. Gebt bitte weiter Geld aus für Nicht-Gegenständliches, aber dann für das, was nicht die Erde zerstört oder Mitmenschen ausbeutet, sondern für Arbeitsbefreiungszeiten und Betdienste: Zum Beispiel für Karma-Fluid.

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