Entschwörungspraxis

Als Entschwörungspraktiker ist es ein wertvolles Prädikat, als Verschwörungstheoretiker bezeichnet zu werden. Angenommen ich würde jetzt Gerhard Schröder ansprechen, dass es doch jetzt der richtige Zeitpunkt sei, offenzulegen, dass die drei Türme in der Usanischen Stadt durch die Verschwörer der Militärindustrie als Attacke unter falscher Flagge durchgeführt wurden, damit der Unsinn aufhört, dass die Türen zum Cockpit eines Flugzeugs nicht von außen zu öffnen sind, dann würde die Allianz der Geheimdienste USraels ihn ermorden bevor er das vor Gericht beeiden könnte. Als Verschwörungstheoretiker gekennzeichnet bereitet einem das keine Probleme und man kann sagen, was man muss. Denn es ist so schrecklich, etwas zu wissen und nicht sagen zu können, weil man weiß, dass man dafür ermordet werden würde, dass man eh überwacht wird. Besonders als Canopäer weiß man das.

Es ist auch dumm, über die Menschen zu richten, die etwas vor vielen Jahrzehnten getan oder auch nur gesagt haben, von dem man nach heutiger Mode vermeint, dass es falsch oder gar schlecht sei. Das ist wirklich eine der nicht nur häufigen, sondern auch am wenigsten bewussten Dummheiten aller Gegenwärtigen. Das zeigt sich an so Erhebungen im politischen Tagesgeschehen, wie dass man gerne einem Politiker namens Herrn Bismarck die Ehrenbürgerwürde absprechen will, weil er einen anderen Politiker namens Herrn Hitler ernannt habe. Ist das nicht wirklich sehr dumm? Wenn wir damit anfangen wollen, dann brauchen wir echt gar niemenden mehr zu ehren (was auch wirklich nicht nötig ist), denn wir wissen, dass auch alle heute als ehrenwert betrachteten Menschen in einigen Jahrzehnten als Verbrecher erkannt werden, oder auch umgekehrt.

Was wird zum Beispiel im Jahre 2062. Wird man dann sagen, dass Herr Schmidt ein Bösewicht war, wegen der Hinrichtung der Sozialarbeiter, obwohl die Todesstrafe in Deutschland abgeschafft war? Nein, nach so langer Zeit ist das überhaupt nicht mehr beurteilbar für die meisten Leute. Also für mich natürlich schon, denn Hinrichtungen sind nie hinnehmbar, nicht einmal gegenüber denen, die der Mensch gemeinhin als hinrichtungswürdig erachtet. Doch welche sind das? Das ist eine Antwort die perspektivbedingt ist. So gibt es noch heute Menschen, denen wir vor einigen Tausend Jahren im Experiment ein paar Geschichten erzählten (das übliche als Vorbeugung gegen Sinnentleerung und dadurch bedingtem Massenselbstmord) und sie sich deshalb über ihre Artgenossen erheben. Die damaligen Laboranten haben es nicht vermocht, ihren Fehler zu korrigieren. Welche sind die Hinrichtungswürdigen. Die in die Welt gezogenen Nazis, die andere Völker unterwanderten und dennoch ihre Sippe als die Herrenrasse betrachteten oder diejenigen, die sich durch Krieg gegen Jene davon befreit haben? Und welche der beiden Nazis, die mit dem Prefix “Ashke-” oder die ohne? Oder Nazis und Ashkenazis, weil beide das gleiche getan haben?

Schlimm ist, dass sie noch heute ein Konzept haben, das zwischen zwei Begriffen unterscheidet, einer Art egozentrischen eindimensionalen Himmelsrichtung, die es in vielen Natursprachen garnicht gibt: Links und Rechts. Wer in diesen Kategorien denkt, ist schuldig am Elend der Menschen.

Wer sich in einer dieser Richtungen wiederfindet, ist nicht lebenswürdig. Ein lebenswürdiger Mensch hat eine Ansicht und eine Haltung, die auf seinen Erfahrungen gründet. Da ist jede Erfahrung zu jeder Situation und zu jedem Thema eine eigene. Wer allerdings meint, einem Verein angehören zu wollen, weil eine Mehrzahl von den Ansichten die er trägt als Regelsatz in dem einen Verein zusammengefasst wird, der geht einen Kompromiss ein, der gegen seine Vernunft und sein Wissen und seine Erfahrung etwas in der Welt verbricht. In diesem Fall wäre Soziokratie hilfreich, denn Kompromisse sind immer schlimm, sie töten die Motivation. Das sollen sie auch. Davon leben einige Wenige in Reichtum, dass die Menschen sich in links und rechts aufteilen lassen und dafür Kompromisse eingehen und sich aus der Frustration die jeder Kompromiss hinterlässt, gegenseitig bekämpfen.

Das ist jetzt vorbei. Denn die Individuation ist so fortgeschritten, dass heute jemand auf dem einen Wissensgebiet eine Haltung hat, die nach dem überkommenen Linksrechts-Konzept links ist und auf einem anderen Wissensgebiet eine Haltung hat, die als rechts eingestuft wurde. Sie sind differenzierter geworden. Die 1% und ihre mittlerweile Lügenpresse genannten Funktionäre entwerfen weiterhin ein Bild von links und rechts und stehen hilflos vor diesem neuen Sein. Sie suchen wie früher nach negativ konnotierten Stigmata, wie “Querfront”. Diese muss man dann eben auflösen und sagen, ja, nur Querfront ist Liebe und gibt Frieden. Weil Querfront dann eben bedeutet, dass die Wesen sich nicht länger teilen und gegeneinander aufhetzen lassen.

Derweil gehen die Menschen auf die Straße und schreiben im Internet und finden sich darin nicht wieder, weil sie merken, dass wenn man weiter schaut als nur zum Nachbarn, dann merkt man, das links und rechts auf einem runden Planeten den gleichen Ort markieren, nämlich den Mittelpunkt. Und den gibt es einmal oben und einmal unten. Wer extrem links oder rechts ist und dies überlebt, der wird anschließend extrem andersrum. Wer das Extrem durchlebt kommt oben an und merkt, dass er auf der anderen Seite herunterrutschen wird und dadurch plötzlich die andere politische Richtung darstellt. Zumeist kommt es nicht so weit, sonst würde dass ja jeder schon gemerkt haben, dass das Linksrechtskonzept eine Illusion ist. Diejenigen, welche das verstanden, sind oben in der Mitte angekommen, da ist es jedoch eng und darum wird dort gedrängelt und geschubst. Und da stehen sie einig beisammen, die vorher sich links und rechts hochgearbeitet haben.

Werbeanzeigen